Alles schon einmal da gewesen …

Immer wieder taucht seit einiger Zeit ein Flugblatt aus dem Jahr 1929 auf – bei Facebook, bei Twitter oder bei Google+ wird es amüsiert geteilt. Ohne Jahresangabe oder nähere Angaben zum Ursprung.

Das wiederum finde ich amüsant, weil ich auf dieses Flugblatt schon vor mehr 10 Jahren gestossen bin … damals, [Weiterlesen...]

Das lebende Bild spricht

 

 

Bildzitat aus: Hätte ich das Kino! Ausstellungskatalog 1976

 

 

Ganz offiziell zum 1. Mal Ton hatte der Film schon 1927. Mit der Premiere des amerikanischen Musikfilms “The Jazz singer” am 23.10.1927. Aber es sollte noch drei bis vier Jahre dauern, bis Kinofilme mit Ton Standard wurden.

… damals wie heute – Der Medienwandel wird keineswegs nur als Fortschritt gefeiert, schon gar nicht im UFA Land Deutschland.

 

Kurios ist nun, dass ausgerechnet die heutige Generation Y – die Generation ohne analoge Vergangenheit – auf Twitter das Phänomen Medienskepsis bewusst macht – viral … mit einem Tweet + Retweets:

 

Im Sommer 1929 sah und hörte der sechsundsechsjährige Gerhart Hauptmann sein Abbild im Kino. Der Eintrag im Tagebuch zeugt von Erschrecken:

Sprechfilm mich selbst gesehen. Abscheu empfunden. Eitelkeit. Ich sah einen Menschen den ich kaum kannte. Sein Organ war mir fremd und also neu. Er gefiel mir nicht. Ein Zug von Unstattischem Sonderlingswesen haftet ihm an. Eine krähende überheblichkeit. Er hatte Mundbewegungen wie ein Zahnloser. Er hatte einen Klos im Winkel zwischen den rechten Kiefern. Ich glaubte Eigenschaften zu sehen die Winkelhaft sind, provinciell. Der Mensch schnarrte, sprach ein Gaumen r das wie ein Knarren nachhal[l]te. War ich das? das ein Text von mir?
,,was kann diesen Eindruck mildern? Hasst man seinen Doppelgänger?

Zitiert nach dem Original in der Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz Berlin – In: Hätte ich das Kino! Ausstellungskatalog Schiller-Museum Marbach 1976

Tonfilm ist Kitsch! Flugblatt um 1929